EMERSON, LAKE & PALMER
“IN THE HOT SEAT”

Emerson Lake And Palmer - In The Hot Seat

Emerson, Lake And Palmer war eine der ersten progressiven Rockbands, die in mir Lust auf klassische Musik geweckt hat. Aber so ist es wohl vielen anderen auch gegangen und heute bin ich froh, dass es so war. Anstatt sich mit langweiliger Old School Klassik wie Mozart oder Beethoven zu beschäftigen, habe ich mir nach “Pictures At An Exibition” angefangen, sämtliche Moussorgski-Werke zu kaufen, die mir in die Hände fielen.

 

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TITELVERZEICHNIS:

Hand Or Truth
Daddy
One By One
Heart On Ice
Thin Line
Man In The Long Black Coat
Change
Give Me A Reason To Stay
Gone Too Soon
Street War
Pictures At An Exhibition (Bonus Track)

Time

5:46
6:39
4:42

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6:08
6:03
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Note:

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Irgendwann gab es dann keine ELP-Platten mehr, nach dem Output “Works Volume 2” kam nichts mehr, irgendwo gab es eine “Emerson Lake & Powell” - Scheibe, die auch bei mir im Regal statt und - ich schwöre verschämt, dass es so ist - die ich mir bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht angehört habe **. Die neue CD von ELP startet seltsam, mit fast fröhlichen Keyboard-Riffs. “Hand Of Truth” klingt für mich eher wie eine rockige Variante von “A Pieces Of A Dream” (amerikanische Soul-Jazz-Fusion-Band). Zum Ende des Stücks wird es rockiger, aber die Stimme von Greg Lake enttäuscht, höre deutlich, dass ihm das Alter zugesetzt hat. Stimme kratzt mehr in den Hören. Mainstream-Prog zwar, aber trotzdem noch besser als tausend andere Kopien.

Daddy” ist die grosse Überraschung. Ein melodiöser, romantischer Song, den ich eigentlich eher einer Gruppe wie Barclay James Harvest zugetraut hätte. Wundersames athmosphärisch tolles Klanggebilde, das die Jungs hier gezaubert haben. “Daddy - when You’re gonna bring me home” singt Greg und streut sparsame verloren wirkende Gitarrenlicks ein, die Orgel von Keith schwebt mit verklärendem stehenden Akkord über allem. Wenn ich daran denke, welche Songs immer auf diesen üblen Kuschelrock-Machwerken präsentiert werden und 99% der Bevölkerung Songs wie diesen nie im Leben hören wird.

Die nexten zwei Nummern sind nichts anderes wie langweiliger, tausendfach gehörter Rock-Mainstream, “Thin Line” ist ein rock-lite-funkiges Abenteuer mit poppigen Background-Vocals - alles in allem enttäuschend. Ich glaube, da waren die Musiker im nachhinein selbst unzufrieden - kann ich mir nicht anders vorstellen. Im “Man In The Long Black Coat” klingt Greg Lake wie Roger Whitaker auf Droge.

Change” ist ein uninspiriertes Liedchen zwischen Anspruch und “Toto”-Flair. “Give Me A Reason To Stay” beginnt mit einem Schlager-Orgel-Riff, ich bin zunehmend mehr und mehr entsetzt. Sind das wirklich meine einstigen Prog-Rock Heroes, die sich hier präsentieren, oder hat sich mein Herr Bruder wieder mal einen Scherz erlaubt und mir eine andere CD untergejubelt. Nein, auch direkt auf der CD steht, dass es sich um ELP handelt - ich spiele mit dem Gedanken, diese Anhörung vorzeitig zu beenden, aber dann siegt die Neugier, der Musiker in mir, der (leider) Perfektionist und so quäle ich mich weiter. “Give Me A Reason To Stay” singt Greg Lake gerade, ja - genau, das habe ich mir auch eben gedacht. Und dann spielt er einen halbwex (kurzen) überzeugenden Gitarrensolo.

Es wird dann auch etwas besser: “Gone Too Soon” bringt rockigen Mainstream ohne Ecken und Kanten, aber auch ziemlich kurzweilig, “Street War” zieht das Tempo an, bevor ich aber daran denken kann, das Stück in meiner nexten Rockdisco ein zu setzen, verzögern sie das Tempo und bringen eine langsame Passage. Womit wieder mal bewiesen wäre, dass Rockmusiker die schlechteren Tänzer sind. Aber wozu gibt es denn Produzenten, wenn sie nicht auf solche Kleinigkeiten hinweisen können?

Es folgt ein 14minütiger Live mitgeschnittener Bonus-Track (warum eigentlich Bonus-Track? Bonus für all die Leute, die sich durch die vorangegangen 10 stücke gequält haben?). Es sind die “Pcitures At An Exhibiton”, die folgen. Na, da bin ich mal gespannt. Nicht Ten Years, sondern 23 Years later nach den Originalaufnahmen muss ich dann aber feststellen, dass sich Emerson, Lake & Palmer aufs Altengleis zurück ziehen sollten, denn nach dem “Genuss” dieser Platte werde ich mir schwer überlegen, ob ich mir noch einmal einen Tonträger dieser alten Herren antue. “Pictures At An Exhibition” im Jahre 1994: langweilig, ohne Höhepunkte, routiniert.

FAZIT:

Grosses Entsetzen im Nachhinein - eine der schwächsten, wenn nicht sogar DIE schwächste Platte von Emerson, Lake And Palmer. Der Song “Daddy” ist klasse, aber der Rest der Songs versinkt im traumatischen Mainstream-Müll. Wozu hatte man hier einen Produzenten beschäftigt? Was hat Keith Emerson, Carl Palmer und Greg Lake veranlasst, solch einen Müll in die Welt zu setzten. Druck von der Plattenfirma?

Produced by Keith Olson (aufgenommen wurde in den Goodnight LA Studios)

Personal:
Keith Emerson (keyboards)
Greg Lake (guitar, bass, vocals)
Carl Palmer (percussion, drums)

Additional Musicians:
Bill Wray, Maula Mattioli, Kristen Olsen (backing vocals)
Fred White, Ricky Nelson, Lynn B Davi, Linda McCrary (choir vocals)

Veröffentlichung: 27. September 1994 (Victory Music) (TOTAL TIME: 61:27)

Besonderheit: ---

** Bei mir zuhause stehen mittlerweile noch (zum Teil sogar original eingeschweisst) rund 1000 Vinyl- Langspielplatten oder CDs, die ich bisher noch nicht ein einziges Mal angehört habe. Ich bin halt der Meinung, was ich habe, läuft mir nicht weg. Hat mich in den 70er Jahren in Algerien ein arabischer Scheich (jetzt kein Scherz) gelehrt, diese Philosophie.

KAUFEMPFEHLUNG:  KKKKKKKKKK (2,227)